Wie entsteht Stau?

Jeder von uns kennt die Situation nur zu gut: Es steht ein wichtiger Termin an und der Wecker wurde gekonnt überhört. Dass die zehn Minuten länger im Bett im Nachhinein dann fehlen, spielt in dem Moment wohl nur eine nebensächliche Rolle – also unter Zeitdruck den Morgen bewältigen. Und wie es manchmal so ist, kommt auf dem Weg – neben dem selbst verschuldeten Stress – noch der verflixte Stau hinzu. Doch wie entsteht diese Verkehrssituation? – Tuan

Wie entsteht Stau?

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Unter Stau versteht man den stark stockenden oder zum Stillstand gekommenen Verkehrsfluss auf einer Strecke. Für die Begriffseinordnung spielt die Geschwindigkeit der Fahrzeuge dabei eine Nebenrolle: Auch wenn Autos dabei nur sehr langsam fahren oder für eine kurze Zeit zum Stehen kommen, gehört der Stau zum fließenden Verkehr, da die Fahrzeuge grundsätzlich in Bewegung sind. Geparkte, haltende und nicht fahrbereite Fahrzeuge dagegen gehören zum ruhenden Verkehr.

Angebot vs. Nachfrage

Für die Entstehung von Verkehrsstaus gibt es Ursachen, die jeder kennt: hohes Verkehrsaufkommen, Baustellen und Unfälle. Die Hauptursache für stockenden Verkehr ist allerdings das Übermaß an Fahrzeugen pro Zeiteinheit, bei gleichzeitig zu wenig Platz auf der Straße. In der Regel liegt die Kapazität einer Straße bei 1.500 bis 2.500 Fahrzeugen pro Stunde und Fahrbahnspur, sofern sie sich mit einer konstanten Geschwindigkeit bewegen und im Idealfall nur eine Fahrspur befahren. Einfach betrachtet ist bei einem Stau die Nachfrage nach Platz größer als das Platzangebot – man spricht also von einem Sättigungsproblem. Zudem tragen nicht beeinflussbare Faktoren wie Regen, Schnee oder Glatteis dazu bei, dass diese Sättigung schneller eintritt.

Der Stau aus dem Nichts

In der Realität ist es aber nahezu unmöglich, mit konstanter Geschwindigkeit zu fahren, weil es bei den meisten Autofahrern in der Natur liegt, den „schnellsten Weg zu nehmen.“ Das so genannte Kolonnenspringen, also das Wechseln auf die vermeintliche schnellere Spur, ist ein Phänomen, das uns Zeitersparnis vorgaukelt, letzten Endes aber in der Gesamtheit eher den Stau fördert, statt ihn zu verringern.

Also, an dieser Stelle die Frage: Haben Autofahrer – abgesehen von selbst verschuldeten Unfällen – Einfluss auf die Verkehrssituation oder liegt es schlichtweg an der Kapazität der Straße? Autofahrer haben natürlich ihren eigenen Anteil an der Stauentstehung. In manchen Situationen kommt es vor, dass Verkehrsstaus ohne ersichtlichen Grund hervorgerufen werden, obwohl gar nicht so viele Autos auf der Straße unterwegs sind oder eine Baustelle in unmittelbarer Nähe zu sehen ist. Es entsteht der Stau aus dem Nichts, auch Phantomstau genannt, der nach dem Schmetterlingseffekt funktioniert. Diesem Effekt zufolge reagieren komplexe, dynamische Systeme äußerst empfindlich auf Störungen bzw. Veränderungen. Der fließende Verkehr gehört zu diesem System.

Beispiel: Fahrzeug A fährt auf der Autobahn mit 130 km/h und will auf die linke Spur wechseln. Da Fahrzeuge auf der linken Spur für gewöhnlich etwas schneller unterwegs sind, muss Fahrzeug B auf 110 km/h abbremsen, um Fahrzeug A hineinzulassen und genug Sicherheitsabstand zu halten. Dabei wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die die hinteren Fahrzeuge zwingt, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren, um nicht auf den Vordermann aufzufahren. Das passiert so lange, bis ein Fahrzeug am Ende komplett zum Stillstand kommt. Geht es vorne wieder normal weiter, sammeln sich am Stauende immer noch Autos, die wiederum eine gewisse Zeit brauchen, um wieder zu beschleunigen und den Stau aufzulösen. Klar ist, dass nicht immer ein Spurwechsel einen Stau mit sich bringt, trotzdem wird die „Ordnung im System“ gestört, sodass es immer wieder zu Stockungen kommt. Interessanterweise wissen die meisten Autofahrer gar nicht, dass sie mit ihrer Fahrweise einen Stau verursacht haben.

Wie entsteht Verkehrsstau?
Daten aus: Institut f. Verkehrswesen (Hrsg.): Von den Anfängen bis zur Gegenwart Verkehrstechnik an der Universität Kassel, Kassel University Press, 2005, ISBN 3-89958-303-5, Seite 15

Deutsche Autobahnen – ein Privileg

Aber nicht nur Autofahrer selbst tragen zu Staus bei, sondern auch der Fakt, dass es auf Deutschlands Straßen und Autobahnen keine Mautgebühren gibt – ein Privileg, für das uns andere Länder geradezu beneiden. Autofahrer müssen also für die Nutzung nichts bezahlen. Hinzu kommt, dass es keine zeitliche Nutzungseinschränkung gibt. So ist es auch eigentlich nicht verwerflich, dass Autobahnen oft und gerne genutzt werden. Daraus resultieren aber überbelastete Straßen und Verkehrsstaus im gesamten Bundesgebiet.

Dass Staus auch ökonomische Schäden anrichten, ist aber den wenigsten bewusst. So werden laut einer Studie des Centre for Economics and Business Researches (Cebr), die vom Verkehrsdatenanbieter INRIX in Auftrag gegeben wurde, die Staukosten in Deutschland von 25 Milliarden (2013) auf prognostizierte 33 Milliarden Euro im Jahr 2030 ansteigen – also um 31 Prozent. In der Summe wären das bis zum Jahr 2030 rund 520 Milliarden Euro.

Stau kostet also nicht nur Nerven, sondern auch richtig Geld. Für private Haushalte betrugen die durchschnittlichen Staukosten im Jahr 2013 knapp 1.600 Euro, bis 2030 werden sie auf etwa 2.200 Euro klettern. Kosten, die man sich sparen kann – aber wie?

Wir stehen nicht im Stau, wir sind der Stau!

Wir müssen an einem Strang ziehen. Wir von flinc glauben daran, dass wir gemeinsam das Verkehrsproblem lösen können – und zwar durch die effizientere Nutzung freier Sitzplätze im Auto. Was geschehen würde, wenn nur 10 Prozent der Autofahrer einmal in der Woche das eigene Auto stehen lassen würden, zeigt unsere 2proAuto-Infografik.

Es liegt also alles in unserer eigenen Hand, denn uns muss bewusst werden, dass wir nicht im Stau stehen, sondern dass wir der Stau sind!

Montagmorgen und keiner steht im Stau – Infografik der Initiative 2proAuto

Autor: Tuan Lai
Hallo, Tuan hier. Ich studiere Onlinekommunikation in Darmstadt. Bei flinc bin ich Werkstudent im Bereich Content Marketing & Customer Support.