Wie dynamische Shuttles den ländlichen Raum aufwerten – auch nach 18 Uhr

 

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In diesem kleinen Artikel nutze ich unser Simulationsprogramm, um On-Demand Shuttles in ländlichen Gebieten zu untersuchen. Ein Ergebnis ist, dass Pooling sich hier deutlich schwieriger gestaltet als in urbanen Zentren. Dennoch können flexible Shuttles dazu beitragen, die Mobilität gerade von älteren Menschen oder Jugendlichen im ländlichen Bereich entscheidend zu verbessern.

In den beiden bisherigen Posts zu On-Demand Systemen hatten wir uns stark auf den urbanen Bereich fokussiert. Alle Simulationen wurden für ein fiktives Geschäftsgebiet im Herzen Hamburgs durchgeführt. Heute geht es noch etwas nördlicher, in den Kreis Segeberg, an dem wir Probleme und Potentiale dynamischer Shuttles auf dem Land demonstrieren wollen. Der Kreis Segeberg ist ein ziemlich typisches Beispiel für den ländlichen Raum: 270 000 Menschen Leben hier, auf einen Quadratkilometer kommen gerade einmal 200 Einwohner, statt, wie in Hamburg über 2400.

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Das bedeutet mehr Platz, führt aber im öffentlichen Nahverkehr zu neuen Herausforderungen, insbesondere für On-Demand Shuttles. Unsere erste Simulation verdeutlicht dies drastisch. Wir haben eine Flotte von 30 Fahrzeugen (virtuell) ins Stadtzentrum von Hamburg und in den Kreis Segeberg geschickt. Bei ungefähr gleicher Einwohnerzahl und gleichen Qualitätskriterien unterscheidet sich die Effizienz beider Systeme dramatisch:

Hamburg:

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Segeberg:

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Offensichtlich funktioniert ein Shuttle-System auf dem Land deutlich weniger effizient: Es werden weitaus weniger Fahrten pro Stunde durchgeführt (eine statt acht), selbst wenn die unterschiedliche Länge der Fahrten berücksichtigt wird – die Nettotransportzeit pro Stunde sinkt von 51 auf zehn Minuten. Auch bei einer größeren Flotte würde sich daran nichts ändern, bei 100 Fahrzeugen wären die entsprechenden Werte bei 82 Minuten gegenüber 33. Kurz: Die Besiedlungsdichte ist entscheidend. Im ländlichen Raum müssten On-Demand Shuttles daher anders betrieben und in das bestehende Mobilitätssystem eingebettet werden.

Hierbei hilft es, sich folgendes zu vergegenwärtigen: In der Stadt war es unser Ziel, mit On-Demand Shuttles eine Mobilitätsform anzudenken, die für den Passagier ähnlich schnell ist wie das private Fahrzeug. Im ländlichen Raum dagegen kommen vor allem zwei Stärken von flexiblen Shuttle-Systemen zum Tragen

  • Shuttles können Gebiete anbinden, die bisher kaum Anschluss ans ÖPNV-Netz hatten. Einige Orte im Kreis Segeberg können aktuell nur im Abstand von mehrere Stunden angefahren werden. Hier versprechen Shuttles eine deutliche Verbesserung.
  • Zu den Randzeiten ist die ÖPNV-Anbindung oft nur noch rudimentär vorhanden. Zu diesen Zeiten können On-Demand Shuttles für eine bessere Verbindung sorgen, oder die Kostenträger, die den ÖPNV subventionieren, entlasten.

LinkedIn_rural_areasModeSplitFür den zweiten Fall liefert unsere Simulation einige spannende Zahlen. Nehmen wir an, wir möchten Shuttles in den Abendstunden einsetzen und dabei 9% aller in Frage kommenden Fahrten innerhalb des Kreises abdecken können. 9% entspricht gerade dem ÖPNV-Anteil am Tag (Nach 18 Uhr kann der ÖPNV-Anteil aktuell vernachlässigt werden).

Im Ergebnis wären um 20 Uhr, um 9% der Fahrten abzudecken, 39 Shuttles notwendig:

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In vielen Fällen dürften On-Demand Shuttles kundenfreundlicher sein als der derzeitige ÖPNV mit fixen Fahrplänen und Routen. Viele Buslinien fahren aktuell im Stundentakt, während in einem flexiblen System Passagiere im Schnitt 10 Minuten nach der Buchung einsteigen können. Der Umweg beträgt im Schnitt 6 Minuten, verglichen mit einer direkten Fahrt mit dem Privatfahrzeug. Auch das dürfte sehr konkurrenzfähig sein, insbesondere wenn umgestiegen werden muss. Vor allem aber lassen sich mit einem solchen System alle Orte im Kreis auch zu den Randzeiten ans ÖPNV-Netz anschließen, was für den ÖPNV bisher schlicht nicht zu leisten war.

Ab 22 Uhr sinkt die Zahl der Fahrten, sodass 33 Shuttles ausreichen, um das notwendige Angebot bereitzustellen. So sieht ein Durchlauf der Simulation zu dieser Zeit aus:

Segeberg_LinkedIn from Stefan H on Vimeo.

Wenn gut dreißig Fahrzeuge nicht zu stemmen sind, wäre es eine Lösung, das Shuttle-System auf ein kleineres Gebiet zu beschränken, um besseres Pooling auch mit weniger Fahrzeugen zu ermöglichen. Beispielsweise ließen sich so die umliegenden Orte mit der Kreisstadt Bad Segeberg verbinden, von wo aus dann weitere Anschlussverbindungen bestehen.

Zusammengefasst: Im ländlichen Raum ist ein On-Demand System, das sowohl effizient betrieben werden kann als auch ähnliche Verbindungszeiten wie das Privatfahrzeug ermöglicht, schwierig aufzubauen. Auf der anderen Seite bieten On-Demand Shuttles hier die Möglichkeit, öffentlichen Nahverkehr auch in die Gebiete zu bringen, die bisher praktisch über keinen Zugang verfügen. Auch eine bessere Abdeckung in den Randzeiten wird so möglich.

Relevant werden diese Chancen insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Ältere Menschen haben oft keinen Zugang zu einem Fahrzeug. On-Demand Shuttles würden diese Menschen in die Lage versetzen, Einkäufe und Arztbesuche weiterhin unkompliziert und selbstständig durchzuführen. Auch Jugendliche und deren Familien könnten profitieren, wenn die nächsten Zentren gesellschaftlichen Lebens auch in den Abendstunden mit dem ÖPNV zugänglich bleiben. Auf diese Weise können On-Demand Shuttles einen Beitrag leisten, Lebensqualität und Mobilität im ländlichen Raum zu verbessern.

Autor: steffenhuss