Wie bestelle ich ein Taxi ohne Fahrer?

Herausforderungen bei der Mensch-Maschine Interaktion mit dem Robo-Taxi

Für die Bestellung des Taxis hat sich die Nutzung einer Smartphone-App längst etabliert. Immer weniger Passagiere nutzen die telefonische Bestellung über eine Taxizentrale. Die Bestellung via App geht schnell, ich bekomme Informationen über den Fahrer und das Fahrzeug. Mit der App kann ich sogar live verfolgen, wie das Taxi zu mir kommt und natürlich bargeldlos bezahlen.

Sehr einfach, schnell und für mich als Kunde mit weniger Aufwand und mehr Service verbunden. Auch der Fahrer profitiert – er weiß schon bei der Bestellung, wo die Fahrt hingeht und wer sein Fahrgast ist. Der lästige Bezahlvorgang am Ende der Fahrt entfällt und die Quittung wird automatisch geschrieben und verschickt.

In den nächsten Jahren nimmt die Digitalisierung der Services, aber auch der Autos weiter zu und wir fahren mit dem Robo-Taxi von A nach B.

Wie viele andere Autohersteller und Mobilitätsanbieter, wollen Daimler und Bosch schon 2023 mit den ersten autonomen Taxis (Robo-Taxis) produktiv unterwegs sein. Besonders spannend ist die Frage, wie die Fahrgäste solche Services nutzen und wie die Technologie dazu aussieht.

Quelle: Daimler AG, Bosch GmbH

In groben Schritten sieht eine Taxifahrt heute mit einer Taxi-App so aus:

  1. Onboarding/Anmeldung: Der Nutzer meldet sich bei dem Service an
  2. Buchung: Der Nutzer bucht ein Fahrzeug zu einem bestimmten Preis, bekommt angezeigt, wie lange es dauert und kann sehen, wie sich das Taxi nähert
  3. Boarding: Der Nutzer steigt ein und fährt los
  4. Fahrt: Der Nutzer sitzt im Fahrzeug und wird zu seinem Ziel gebracht
  5. Pooling: Evtl. steigen weitere Passagiere zu/aus
  6. Drop-Off / Payment: Der Nutzer hat sein Ziel erreicht, zahlt und steigt aus

Natürlich gibt es viele weitere Punkte dazwischen, davor und danach, die bei der Entwicklung eine Rolle spielen, wie z.B. Akquise, Bewertungssysteme oder Zusatzservices.

Im Zuge der Entwicklung unserer flott Plattform – eine Plattform für On-Demand Mobilität – haben wir uns gefragt, was ändert sich eigentlich, wenn die Fahrzeuge in ein paar Jahren nicht mehr von menschlichen Fahrern bewegt werden?

An dem Prozess ändert sich insgesamt wenig, aber plötzlich kommt folgende Frage:

Das Fahrzeug soll in der zweiten Reihe für den Einstieg am Treffpunkt halten. Zum Teil ist das sogar ausdrücklich für Taxis in einigen Großstädten erlaubt. Der Fahrer kann abschätzen, wie groß die Behinderung ist und wie lange diese dauert.

Was ist mit dem Robo-Taxi? Dieses braucht einen sicheren Halte- und Abholpunkt, zu dem der Fahrgast eventuell auch ein paar Meter laufen muss. Nicht überall gibt es Parkbuchten für einen kurzen Stop. Besonders spannend ist die Frage in der Phase, wenn sich autonome Robo-Taxis und nicht-autonomer Verkehr im Mischbetrieb die Straßen teilen.

Und schon haben wir einen weiteren Schritt in unserem Ablauf, da der Punkt “Rendezvous” hinzu kommt. Das Auto sucht einen geeigneten Ort für das Rendezvous und der Fahrgast wird über die App entsprechend gelenkt, so dass dieser auch das Fahrzeug findet.

Sofort stellt sich die nächste Frage: Ist das mein Taxi, welches ich bestellt habe?

Zu Peak-Zeiten oder am Flughafen kann es zwischen Fahrgästen zum Streit kommen – der Taxifahrer weiß hoffentlich, wer die Buchung ausgelöst hat und kann den Streit schlichten. Aber was ist, wenn kein Fahrer im Auto sitzt? Wie teilt das Auto oder die App mit, wer jetzt mitfahren darf?

Auf den ersten Blick einfach – nur der Fahrgast mit der Buchung kann das Fahrzeug öffnen. Vielleicht zeigt das Fahrzeug auch die Buchungsnummer auf einem Display an?

  • Aber was ist, wenn schon andere Fahrgäste im Robo-Taxi sitzen?
  • Was passiert, wenn die Sekretärin mit ihrem Konto meine Fahrt gebucht hat?
  • Vielleicht ist es für mich ja in Ordnung, den anderen Gast auf dem Weg in meinem Taxi mitzunehmen, so dass dessen Buchung für eine VIP-Einzelfahrt obsolet wird?

Fragen über Fragen zu unterschiedlichsten “Use Cases” stellen sich, die mit einem echten Fahrer einfach zu lösen sind oder gar nicht erst aufkommen.

Wie kommuniziert das Auto mit mir? Per Sprache, Geste, App oder Touchscreen im Fahrzeug? Wie reagiert der Fahrgast?

Auch einfache, praktische Handlungen müssen neu gedacht werden. Wie funktioniert die Gepäck Be- und Entladung? Muss jetzt der Fahrgast erst umständlich in der App eingeben, dass er seinen Koffer aus dem Kofferraum entnommen hat und dies bestätigen?

Besonders interessant sind die “Sonderfälle”, die aber dennoch tagtäglich bei der Nutzung eines Taxis auftreten. Es darf auch geschmunzelt werden – aber so ist das echte Leben eines Taxifahrers:

Der Fahrgast…

– möchte früher aussteigen.

– ändert sein Ziel während der Fahrt.

– vergisst die Handtasche oder sein Gepäck im Auto.

– benötigt Hilfe bei der Gepäckzuladung.

– schnallt sich nicht an.

– hat gesundheitliche Probleme.

– benötigt für die Kleinen zwei Kindersitze.

– ist gehbehindert und braucht Hilfe beim Ein- und Aussteigen.

– streitet sich und fängt an, das Fahrzeug zu demolieren.

– ist stark angetrunken und kann sich nicht mehr orientieren.

– möchte eine komplizierte Strecke fahren, die mehrere Stops mit unterschiedlichen Start- Warte- und Zielpunkten enthält.

– möchte einfach nur im Kreis fahren und sich die Stadt anschauen.

– ist gar kein Fahrgast, sondern eine Lieferung, die abgeholt werden soll.

– ist eingeschlafen.

– kann sich nicht verständlich machen.

– ist James Bond 😉 und möchte, dass das autonome Taxi diesem einen besonderen Wagen folgt

– …

Diese Liste kann man gerne weiterdenken und erkennt, dass der Weg zum Robo-Taxi nicht so einfach ist. Im Vergleich mit einem heutigen Taxi inklusive Fahrer, sind noch einige größere Herausforderungen zu bewältigen.

Daher ist davon auszugehen, dass die ersten Robo-Taxis nur bestimmte Anforderungen und Kundenwünsche sowie Kundensegmente abdecken und diese dann Schritt für Schritt erweitert werden.

Der disruptive Prozess war beim Aufzugfahren ähnlich: Am Anfang war die Bedienung sehr komplex und es gab den Beruf des Fahrstuhlführers, der auch für die Sicherheit verantwortlich war. Dieser wurde dann Schritt für Schritt von der Technologie abgelöst. Heute lächeln wir und machen Fotos, wenn wir eine solche Dienstleistung in einem älteren Gebäude oder im Ausland noch erleben dürfen. Heutzutage ist der Aufzug das sicherste Massentransportmittel.

Lobby of the Smith Tower, Seattle, Washington, USA, from Wikimedia Commons, the free media repository, by Joe Mabel

Dies wiederum zeigt auch, wie wichtig die Erfahrungen sind, die bei heutigen On-Demand und Ridesharing Services im Hinblick auf das autonome Robo-Taxi gemacht werden können.

Ich bin überzeugt, dass die Einführung solcher Services die beste Vorbereitung ist, um den Schritt zur Autonomie zu machen. Es braucht viele Fahrgastkilometer in der echten Welt, um zu lernen, den Service zu verbessern und das Nutzer- und Fahrer-Feedback in die Software-Programmierung einfließen zu lassen. Theorie und Teststrecken werden hierfür nicht ausreichen.

Schon die Kinder unserer Kinder werden das autonome Mitfahren als Selbstverständlichkeit sehen, so wie wir heute im Aufzug voll autonom unterwegs sind.

„Getting in a car will be just like getting in an elevator,“ Elon Musk said. „You just tell it where you want to go and it takes you there with extreme levels of safety, and that will be normal.“

Autor: Slavko Simic