Warum ich mein Auto verschenke

Keine Revoluzzer, keiner da, der Mut hat.
Kein neuer Martin Luther King, nich‘ mal ein neuer 2Pac.

Vor einer Woche habe ich geredet. Die ganze Branche redet ständig. Über Nachhaltigkeit, über grüne Mobilität, Veränderung und eine bessere Welt. Dieses Mal durfte ich bei TEDx reden – über „Das Ende des eigenen Autos“ (Bericht von Griin, Beschreibung bei TEDx, Video leider noch nicht online).

Ich bin wie du. Ich tue nichts!

TEDx war die große Bühne. Doch je länger ich mich auf meinen Vortrag vorbereitete, desto wertloser schien er mir. Ich würde einen tollen Vortrag halten, das Publikum zum Lachen bringen und von einer neuen und grünen Mobilität schwärmen. Und dann? Richtig, nichts! Alles wie immer. Jeder kennt die Fakten – keiner macht etwas.

Gib mir was Neues, zeig mir jemand‘, der sich etwas traut
Sag es extra laut, was auch immer ich denk‘, ich sprech‘ es aus
Was auch immer mir passiert, ich mach das Beste draus

Je näher TEDx kam, desto mehr wusste ich, dass ich bin wie alle. Ich tue nichts. Ich rede bloß.

Wir müssen nicht die Welt ändern, sondern uns selbst.

Veränderung beginnt im Kleinen. Der Satz ist so unglaublich alt. Und so unglaublich wahr. Viele resignieren vor den großen Herausforderungen, dabei müssen wir gar nicht die Welt ändern. Sondern nur uns selbst.

Und das gilt vor allem für die, die viel reden – also für mich! Ich biete zwar bereits alle meine Fahrten bei flinc an, aber man kann sich immer noch ein Stück mehr ändern, einen Schritt weiter gehen, um nicht stehen zu bleiben.

Da wir bei flinc generell mehr Fahrer als Mitfahrer haben, war mir mein nächster Schritt relativ schnell klar: Ich muss zum Mitfahrer werden.

Ihr müsst euer Auto nicht verschenken, aber teilen.

Mein Auto selbst ist bei anderen besser aufgehoben. Vor allem gemeinnützige Organisationen sind auf Autos angewiesen – deshalb könnt ihr bis 31.März eure Organisation nominieren und abstimmen. Wir verlosen mein Auto dann im April an die Top 10. Und ich bin ab sofort ohne Auto unterwegs.

Ich möchte mit dieser Entscheidung polarisieren, vorangehen, auch etwas übertreiben. Ich möchte nicht, dass ihr eure Autos verschenkt – ich möchte, dass ihr es teilt und andere Menschen mitnehmt!

Ich will keine autolose Welt. Ich will eine bessere Gesellschaft!

Nach dem Vortrag kamen viele auf mich zu und sagten: „Michael, wenn wir keine Autos mehr haben, kann ja niemand mehr mitfahren“. Ihr habt mich nicht verstanden. Mir geht es nicht um eine autolose Welt. Mir geht es darum, dass wir die bestehenden Ressourcen besser auslasten.

Wir werden immer Autos brauchen, z.B. auf dem Land, im Transport, dienstlich. Aber es braucht eben nicht jeder ein eigenes Auto. Und in Zukunft werden wir sie uns schlicht und ergreifend nicht mehr leisten können.

Mir geht es außerdem um mehr, als um das Materielle. Mir geht es nicht um dein Auto. Mir geht es darum, ob du dich verändern kannst. Ob du bereit bist, dich zu öffnen. Sprichwörtlich: Deine Autotür zu öffnen. Bist du bereit, deinen Nachbarn mitzunehmen? Jemand Neues kennen zu lernen? Mit jemandem zu sprechen, der vielleicht eine komplett neue Sicht in dein Leben bringt? Oder bleibst du lieber für dich alleine?

Nicht öko, sondern awesome!

Wir müssen nicht öko sein. Wir brauchen keine Generation, die nur im Wollpullover rumläuft. Wir brauchen eine Generation, die offen ist, ehrlich ist, und bereit ist zu teilen – dann können wir gemeinsam viel verändern!

Ich gehe voran. Bitte nehmt mich mit!

Update 12.03.2012: Mittlerweile ist das Video des TEDx-Vortrags online:

Kennt Ihr gemeinnützige Organisationen, die ein Auto benötigen?
Hier könnt ihr Organisationen vorschlagen und abstimmen

(Die Zitate stammen aus dem Lied „Zurück zum Wir“ von Max Herre und Sammy Deluxe)

Autor: Michael Hübl

9 Kommentare

  1. Pingback: „Wir müssen nicht die Welt ändern, sondern uns selbst“ | Critical Mass Hamburg
  2. tja, krass. Wir haben auch kein Auto. Mein Sohn sagt immer, er habe gesunde Beine, er könne laufen. Er ist drei Jahre alt. Es geht auch ohne. Dass man das Auto teilt also andere mitnimmt finde ich gut. Ich denke selbst auch so. Allerdings würde ich nicht so ne Schluries mitnehmen. Mutter und Kind müssen schon auf sich aufpassen. Grüße, Melanie

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