Benzin & Co. – Vom Rohöl zum Kraftstoff

Die lange Reise des „Schwarzen Goldes“ – vom Rohöl zum Kraftstoff – Tuan

Die lange Reise des "Schwarzen Goldes – vom Rohöl zum Kraftstoff

Der Weg vom Rohöl zum Benzin und Diesel

Autofahrer in Deutschland tanken nach wie vor am häufigsten Benzin und Diesel. Mit einem Verbrauch von 17,9 Millionen Tonnen Benzin und 30,5 Millionen Tonnen Diesel führen sie unangefochten die Liste der beliebtesten Kraftstoffe im Straßenverkehr an.

Die lange Reise des „Schwarzen Goldes“

Doch bevor Benzin und Co. bei uns an der Tankstelle ankommen, muss zunächst das Ausgangsmaterial Rohöl gefördert werden. Das geschieht auf großen Bohrinseln im Meer oder in Anlagen in der Wüste – Saudi-Arabien, Russland und die USA gehören zu den bedeutendsten Förderländern. Die Anlagen bohren dabei mehrere Kilometer tief in den Boden und fördern so das „Schwarze Gold“. Im nächsten Schritt wird das Öl über ein weit gespanntes Netz von Pipelines zu den Exporthäfen weltweit transportiert und auf große Tankschiffe geladen. Über die Ozeane gelangen sie zur Weiterverarbeitung in die Industrieanlagen der Mineralölkonzerne, in so genannte Raffinerien. Dort werden täglich Millionen von Litern Treibstoff hergestellt – von Kerosin über Benzin bis hin zu Diesel.

Die Formel zur Herstellung von Kraftstoffen

Im Allgemeinen ist die Herstellung relativ simpel. Im ersten Schritt wird das Öl stufenweise erhitzt, um es gezielt auf bestimmte Temperaturniveaus zu bringen. Während der Erhitzung wird es dann eine gewisse Zeit auf den unterschiedlichen Niveaus gehalten. Das führt dazu, dass ein Teil des flüssigen Öls zu Gas wird, aufsteigt und als Kondensat abgefangen wird. Je nach Siedetemperatur weist das Kondensat verschiedene Kohlenstoffketten auf, deren Länge später den Brennwert und die unterschiedlichen Kraftstoffarten bestimmt: 70 bis 150 Grad bei Primärbenzin zur Weiterverarbeitung zu Benzin, 250 bis 350 Grad zur Herstellung von Diesel.

Wer jetzt auf die Idee kommt, seinen eigenen Sprit herzustellen, sollte sich das noch einmal gut überlegen. In der Theorie klingt die Herstellung sehr simpel, in der Praxis ist sie aber alles andere als das. Um nämlich einen hohen Reinheitsgrad zu erreichen, muss enorm viel Aufwand, unter anderem in Form von Energie, aufgebracht werden. Darüber hinaus müssten im Vorfeld ausreichende Mengen an Rohöl beschaffen werden, sodass die eigene Herstellung von Kraftstoffen aus ökonomischer Sicht kaum Vorteile mit sich bringt.

Angekommen in der Tankstelle

Nachdem aus Rohöl schließlich Kraftstoff entstanden ist, geht es weiter in Richtung Tankstelle. Große Tanklaster füllen den Sprit von den Raffinerien ab und transportieren ihn zu den Tankstellen. Doch wo wird das Ganze dann gelagert? Die Antwort: Unter den Tankstellen. Dort befinden sich nämlich verschiedene Tankbehälter, die über teilweise kilometerlange Leitungen mit jeder Zapfsäule verbunden sind. Die Behälter sind zwischen zehn bis zwölf Meter lang und können 60.000 bis 90.000 Liter speichern. Besonders große Tankstellen haben so etwa eine Gesamtkapazität von 400.000 bis 500.000 Litern Sprit zu Verfügung. Des Weiteren sind die Behälter auch so konzipiert, dass verschiedene Kraftstoffe in einem Tankbehälter Platz finden. Je nach Bedarf können so die Tanks maximal ausgelastet werden.

Was wir an der Oberfläche kennen, sind die Zapfsäulen. In Fachkreisen spricht man jedoch von einem Multi Product Dispenser (MPD), genauer gesagt: einem Vielprodukt-Verteiler. Durch eine einzige Zapfsäule fließen die unterschiedlichen Treibstoffe – von Diesel bis hin zu Super Plus.

Wie die Tankstellen gesteuert werden

Hinter den Tankstellen steckt meist die Zentrale des Mineralölkonzerns, die alle Prozesse steuert. Diese ist online mit den Tankstellen verbunden und plant die Mengen an Sprit in Abhängigkeit von der Nachfrage – da es insbesondere beim Ölpreis zu Schwankungen kommen kann, werden kleinere Tankstellen im Schnitt ein- bis zweimal pro Woche beliefert, größere manchmal sogar mehrmals am Tag.

Auch die Sicherheit wird von den Zentrale der Mineralölkonzernen überwacht. Da Benzin als hochentzündlich gilt, sind die Tankbehälter und Rohrleitungen allesamt doppelwandig konstruiert. Zudem kontrollieren elektronische Sensoren rund um die Uhr den Hohlraum zwischen den Wänden und Tanks. Sollte es zu undichten Stellen kommen, wird sofort ein Alarm ausgelöst und der Reparaturdienst via Online-Verbindung informiert.

Nach dem gleichen Prinzip wird der Spritpreis gesteuert. Die Zentralen überwachen den Markt und passen die Literpreise an. Aber wie setzt sich der Preis eigentlich genau zusammen und wer verdient wie viel pro Liter?

Der Preis ist heiß

Ohnehin sind die Kraftstoffpreise in den letzten fünf Jahren tendenziell gesunken. In den Augen der Autofahrer könnten sie natürlich noch günstiger sein und dieser Gedanke ist gar nicht so abwegig, denn auf einen Liter Kraftstoff kommen noch einige Abgaben obendrauf. In Deutschland gehören dazu: der Beschaffungspreis, der Deckungsbeitrag, die Energiesteuer und die Mehrwertsteuer.

Der Beschaffungspreis ist der Preis, zu welchem das Öl importiert wird. Dieser entsteht am internationalen Rohölmarkt und ist starken Schwankungen ausgesetzt.

Der Deckungsbeitrag entfällt auf die Mineralölkonzerne. Wie der Name schon sagt, deckt die Summe die Kosten der Konzerne (zum Beispiel Personalkosten) und ihren Gewinn ab.

Der Beschaffungspreis und der Deckungsbeitrag sind variable Kosten.

In der Energiesteuer (früher „Mineralölsteuer“) ist seit 1999 auch die Ökosteuer enthalten. Die Höhe der Steuer richtet sich nach der Treibstoffart. Je „umweltfreundlicher“, desto günstiger.

  • Flüssiggas als Kraftstoff: circa 18 Cent/kg
  • Erdgas: circa 18 Cent/kg
  • Diesel: 47,04 Cent/Liter
  • Benzin: 65,45 Cent/Liter

Der letzte Punkt, der den Spritpreis bestimmt, ist die Mehrwertsteuer. Diese wird auf den Warenpreis und die Energiesteuer erhoben. Energie- und Mehrwertsteuer sind fixe Kosten, die an den Staat abgegeben werden müssen.

Mit dem Benzinrechner des Bundesministeriums für Finanzen könnt ihr ganz einfach nachrechnen!

Das Ende einer langen Reise

Bevor also aus dem Rohöl schließlich das Endprodukt für den Antrieb unserer Autos entsteht, bringt es eine weite Reise – quer durch die ganze Welt – hinter sich und durchlebt währenddessen jede Menge Verarbeitungsprozesse.

Die fünf großen Mineralölkonzerne (BP, ExxonMobil, ConocoPhilips, Shell und Total) sind für die Förderung, Verarbeitung und den Vertrieb in Deutschland zuständig – zum Teil auch für den Preis. Wer sich also beim nächsten Tankestellenbesuch über die hohen Preise ärgert, weiß nun, dass der Tankwart am wenigsten dafür kann. 🙂

 

Autor: Tuan Lai
Hallo, Tuan hier. Ich studiere Onlinekommunikation in Darmstadt. Bei flinc bin ich Werkstudent im Bereich Content Marketing & Customer Support.

1 Kommentar

  1. Moin! Interessanter Beitrag. Wieviel Strom wird in der Raffinerie gebraucht um aus Rohöl Benzin herzustellen?

    Viele Grüße

    Markus

Kommentarfunktion geschlossen.