Disruptive Technologien verändern die Mobilität

Disruptive Technologien – also Technologien, die sich weiterentwickeln oder ganz durch andere ersetzt werden. Und hier möchte ich euch erklären, wie diese sich ändernden Technologien Einfluss auf die Mobilität ausüben. – Tuan

Disruptive Technologien werden die Mobilität revolutionieren

Das Dampfschiff hat es mit dem Segelschiff getan, die CD mit der Schallplatte und Musikstreaming-Dienste werden es wiederum mit den CDs tun: Sie sind disruptive Technologien, also revolutionäre, störende, beziehungsweise unterbrechende Technologien, die ihre Vorgänger und Mitbewerber verdrängen oder gänzlich ersetzen. Das klingt im ersten Moment zwar negativ, ist in der Praxis aber eine natürliche Weiterentwicklung, die zu jeder Zeit stattfindet: In der Vergangenheit war es die Glühlampe, welche die Gasbeleuchtung überflüssig machte. In der Gegenwart beinhaltet das Smartphone die Funktionen eines Diktiergeräts und des Fotoapparats, sodass diese nicht mehr separat mitgenommen werden müssen. In der Zukunft könnten autonom fahrende Fahrzeuge den Verkehr und die Logistik komplett revolutionieren.

Anders als bei den inkrementellen/evolutionären Innovationen, bei denen bereits bestehende Technologien und Produkte stufenweise durch die Entwicklung neuer Anforderungen und Eigenschaften optimiert, effizienter und günstiger werden, sind disruptive Innovationen anders aufgezogen. Meistens handelt es sich um Nischentechnologien und -produkte oder um komplexe Prozesse, die stark vereinfacht werden und so den Zugang zum Menschen finden. Sie beeinflussen den Markt und die Verhaltensweisen der Menschen.

Dabei muss das Rad nicht immer komplett neu erfunden werden. Eine bekannte Persönlichkeit für disruptive Innovationen war der US-amerikanische Unternehmer Henry Ford. Dieser hat zwar nicht das Auto erfunden, jedoch die industrielle Massenproduktion optimiert und somit die moderne Fließbandproduktion populär gemacht. Dadurch konnten Fahrzeuge wesentlich günstiger und schneller produziert werden, sodass sich auch normale Arbeiter ein eigenes Fahrzeug finanzieren konnten. Fords Intention war es, die gesamte Bevölkerung mit einem erschwinglichen Automobil auszustatten. Zu dem Zeitpunkt sah er bei den Menschen Bedürfnisse, die sie zum Teil noch nicht einmal selbst kannten. “Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.” Henry Ford vereinfachte also die Produktion und ebnete somit den historischen Aufstieg des Autos. Die Menschen erlebten eine völlig neue Art und Weise der Mobilität und Flexibilität.

Die Demokratisierung der Mobilität

Heutzutage bedeuten disruptive Technologien in der Mobilität, jedem Menschen den uneingeschränkten Zugang zum öffentlichen Verkehr zu gewähren, die Mobilität zu demokratisieren – ganz gleich, ob jung oder alt, reich oder arm. In der Praxis heißt das: Zu jeder Tageszeit komfortabel und sicher von A nach B zu kommen und angemessene Fahrpreise, die sich jeder leisten kann. In Städten ist weitestgehend eine gute Infrakstruktur für den öffentlichen Verkehr vorzufinden – zur vollkommenen disruptiven Innovation wird sie aber erst, sobald sie von jedem uneingeschränkt genutzt werden kann. Es geht also im Kern darum, Barrieren zu reduzieren und Prozesse so zu vereinfachen, wodurch sie von der Mehrheit der Nutzer akzeptiert und angewendet werden können.

Im Hinblick auf den motorisierten Individualverkehr wird die Elektromobilität als heißer Anwärter für die disruptive Technologie gehandelt. Allerdings kämpfen die mit Strom angetriebenen Fahrzeuge unverändert gegen ihren schlechten Ruf: Schwach ausgebaute Infrastruktur zum Aufladen, wenig Reichweite und teure Anschaffungskosten sind im Moment die Totschlagargumente. Ein Beispiel dafür, dass es funktionieren kann, liefert Tesla. Mit einfacher Bedienung, großer Reichweite und ansprechender Optik machen sie ihre Elektrofahrzeuge für skeptische Autofahrer attraktiv. Dabei sehen sie ihre Autos lediglich als Softwareplattform – das Fahren selbst ist die disruptive Innovation. Mit anderen Worten: Wer die gegebenen Ressourcen nutzt, ist fortschrittlich.

Sharing Economy & Kombination

Welche Rolle spielt das Teilen der vorhandenen Kapazitäten? Eine sehr bedeutende. Infolge des steigenden Verkehrsaufkommens (Personen- und Gütertransport mit inbegriffen) wird es immer mehr Staus und weniger freie Parkplätze geben. Auch die Umwelt wird nicht verbessert, wenn sich nichts ändert.

Im Schnitt bleiben Autos 90% der Zeit unbenutzt stehen. Wenn sie dann mal fahren, ist nur einer von vier möglichen Sitzplätzen besetzt – wieder einmal verschenkte Ressourcen. Das Bewusstsein über die steigende Verantwortung gegenüber der Umwelt und die Motivation, das eigene Auto mit anderen zu teilen, ist mehrheitlich noch nicht ausgeprägt genug.

Abgesehen davon gibt es aber schon erste Veränderungen, was den Privatbesitz eines eigenen Fahrzeugs betrifft. Das eigene Auto für Bürger in der Großstadt sinkt an Bedeutung: Im Gegenzug werden multimodale Mobilitätsangebote wahrgenommen – also die Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Transportmittel. Mit dem Zug von Stadt zu Stadt. Vom Bahnhof mit Carsharing nach Hause und auf dem Weg noch jemanden mitnehmen. Die Verknüpfungen sind vielfältig und wirken sich positiv auf Mobilität und Flexibilität aus. Noch vor einigen Jahren verschwendete wohl kaum jemand einen Gedanken darüber, wie er mit mehr als einem Transportmittel von A nach B kommt. Mittlerweile teilen wir auf Airbnb unsere eigene Wohnung – vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir auch bereit sind, das eigene Auto zu teilen.

Was bringt die Zukunft?

Die interessante Frage ist also: Welche Auswirkungen haben zukünftige disruptive Technologien auf die Mobilität und welche Technologien haben das Zeug, disruptiv zu werden?

Das Smartphone ist bereits jetzt ein essentieller Bestandteil und wird in Zukunft noch viel stärker in der gesamten Mobilität eingebunden werden. Viele Menschen organisieren ihre Mobilität mit dem Smartphone – sei es über Navigation, für den Ticket-Kauf oder die  Fahrplanauskünfte. Die an Haltestellen angebrachten Fahrpläne könnten ihr Dasein verlieren. Warum? Das Smartphone arbeitet mit Echtzeit-Daten und liefert so die aktuellsten Informationen über Verspätungen oder Fahrplanänderungen. Mittlerweile können die Fahrkarten im Internet gekauft werden und als digitale Version auf dem Telefon gespeichert werden. In Zukunft ist wohl abzusehen, dass diese Methode die stationären Ticket-Automaten Schritt für Schritt verdrängt und irgendwann dann komplett ersetzt. Ohnehin sind die Automaten teilweise schwer zu bedienen und bei der Wartung kostenintensiv. Andere Länder, wie Dänemark oder Schweden, binden das Smartphone noch tiefer in den Alltag ein – zum Bezahlen, Parken und zur Beförderung.

Wenn die Rede von disruptiven Technologien ist, darf aktuell eine Sache nicht ausgelassen werden: Das autonome Fahren. Es wird nicht ohne Grund als „The Next Big Thing“ gehandelt. Denn sollte es in der breiten Masse der Gesellschaft den Akzeptanzpunkt erreichen, die benötigte Technologie ausgereift sein und sauber funktionieren, wird es ohne Zweifel die Pendler-Mobilität verändern. Mit dem Smartphone das Auto zur Haustür zu bestellen und bequem von A nach B zu kommen, ist nur eine von vielen neuen Möglichkeiten. Das autonom fahrende Fahrzeug wird eine industrielle Revolution sein, so, wie es damals der Umstieg von der Dampflokomotive auf die Elektrolokomotive war. Der technologische Wandel und disruptive Technologien sorgen dafür, dass ganze Berufe, wie die des Taxifahrers, wegfallen, aber auch wieder ganz neue Berufsgruppen entstehen.

Disruptive Prozesse finden aber nicht nur bei Technologien oder Produkten statt, sondern auch in den Köpfen der Menschen. Für die Mehrheit ist autonomes Fahren, Ridesharing und Carsharing neu. Mit der Zeit wird ein Veränderungsprozess stattfinden, der die Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Vertrauen und Qualität miteinander vereint und die Menschen für die neuen Möglichkeiten der Mobilität sensibilisiert.

Zu guter Letzt muss noch gesagt werden, dass es nicht immer die bahnbrechenden Innovationen und Technologien sind, die erfolgreich werden, sondern auch die, die dem Nutzer durch starke Vereinfachung komplexer Prozesse einen Mehrwert bieten. In vielen Fällen wird die Technologie erst mit der Nutzung zur disruptiven Innovation. Manchmal erst im zweiten Anlauf. Wer heute in deutschen Großstädten unterwegs ist, sieht überall Carsharing-Autos, die man spontan mieten kann. Carsharing gibt es schon mindestens seit 30 Jahren, nur war früher der Ausleihprozess so komplex, dass kaum jemand davon Gebrauch gemacht hat. Der Ridesharing-Markt wird sich in den nächsten Jahren genauso entwickeln und mit der Kopplung zum autonom fahrenden Auto wird Ridesharing ein zentraler Bestandteil für die Mobilität der Zukunft.

Autor: Tuan Lai
Hallo, Tuan hier. Ich studiere Onlinekommunikation in Darmstadt. Bei flinc bin ich Werkstudent im Bereich Content Marketing & Customer Support.