Antriebstechniken der Zukunft: Aufmarsch der Elektroautos?

2020 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein.
Die Zahl der umweltfreundlichen Fahrzeuge wird sich somit in fünf Jahren verzehnfachen – so zumindest die Vorstellung der Bundesregierung. Doch ist das wirklich realisierbar? Kann Elektromobilität alltagstauglich werden und mit den klassischen Kraftstoffen konkurrieren?

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Wie ist die aktuelle Lage?

Zurzeit sind etwa 14.000 reine Elektroautos und rund 90.000 Hybridautos mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor in Deutschland angemeldet. Immer mehr Autohersteller starten die Serienproduktion der “grünen” Fahrzeuge. Auch die eingebauten Batterien sollen in naher Zukunft in höheren Stückzahlen produziert werden. Die Bemühungen sind groß, dennoch scheint der Funke beim Privatkunden noch nicht ganz übergesprungen zu sein.

Woran liegt das? Ist es das Auto selbst, das nicht überzeugt? Oder müssen einfach neue Kaufanreize geschaffen werden?

Drei Faktoren, die die Revolution hemmen?

Preis: Geld regiert die Welt – auch bei der Anschaffung von emissionsfreien und -armen Autos. Heute muss man für das Elektroauto Volkswagen e-up! mindestens 26.900 Euro auf den Tisch legen. Im Vergleich zu einem normalen VW up! mit Basis-Ausstattung ist das eine Differenz von 17.000 Euro. Grund für die hohen Anschaffungskosten der E-Fahrzeuge ist die teure Batterie. Wären mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs, könnten die Batterien natürlich auch günstiger hergestellt und somit der Gesamtpreis auch drastisch verringert werden – ein Teufelskreis zum Leidwesen der Umwelt.

Reichweite: Ein weiterer einschränkender Faktor bei E-Autos ist ihre Reichweite. Der VW e-up! kommt mit einer vollgeladenen Batterie zwischen 130 und 160 Kilometer weit. Das macht ihn zum perfekten Begleiter für Kurzstrecken. Jedoch kann die komplette Aufladung bis zu acht Stunden dauern. Deutsche Autobauer hängen an diesem Punkt noch ein wenig hinterher. Vorreiter für Ausdauer ist Tesla: Der US-amerikanische Autohersteller garantiert beim Model S bis zu 430 Kilometer Reichweite.

Infrastruktur: In Deutschland gibt es circa 2.100 Ladestationen – im Verhältnis dazu 14.000 Tankstellen. Das ist natürlich kein fairer Vergleich, soll aber verdeutlichen, dass für einen kompletten Umstieg auf E-Autos die passende Infrastruktur vorhanden sein muss. Soll die Anzahl der E-Fahrzeuge steigen, so muss auch die Anzahl der Ladestationen vervielfacht werden – eine einfache Rechnung.

Wie sieht es im Rhein-Main-Gebiet aus?

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert seit 2009 Projekte zum Ausbau und zur Etablierung von Elektromobilität in so genannten Modellregionen. Dazu gehört auch die Modellregion Rhein-Main, die mit 17 Partnern (Lufthansa Group, Fraport) die “Allianz Elektromobilität” bildet. Der Schwerpunkt liegt dabei jedoch auf der Nutzung von E-Flotten in Betrieben und Unternehmen. Sowohl für die tägliche Hin- und Rückfahrt zur Arbeit, als auch für den Einsatz bei Logistik-Prozessen.

Zukunftsweisend ist das Projekt “Grüne Abfertigung – E-Port an” am Frankfurter Flughafen, mit dem die gesamte Bodenemission bei der Flugzeugabfertigung drastisch reduziert werden soll. Dazu gehören unter anderem der Einsatz des elektromobilen Rollens und Schleppens von Flugzeugen und elektrischen Catering-Hubfahrzeugen.

Netter Nebeneffekt: Nutzer der E-Autos sollen positive Erfahrungen sammeln und im besten Fall eine Anschaffung für Privatzwecke in Erwägung ziehen.

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Wie gelingt der grüne Umstieg?

Da die zum Kauf überzeugenden Argumente für den Endkunden momentan noch eher spärlich gesät sind, fordern Autohersteller, ähnlich wie bei der Umweltprämie, staatliche Subventionen. Käufer von E-Autos sollen in Zukunft 5.000 Euro Zuschuss von der Regierung erhalten. Bei den von der Bundesregierung geplanten 1.000.000 Autos wären das fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2020, die subventioniert werden würden.

Einen weiteren Schritt in Richtung Privatnutzung von E-Autos machte die Bundesregierung mit der Verabschiedung des Elektromobilitätsgesetzes (EmoG) im Juni diesen Jahres. Demnach können Halter von Elektroautos ihre Nummernschilder mit einem “E” kenntlich machen und zusätzliche Privilegien im Straßenverkehr genießen. Dazu gehören unter anderem die Befreiung von der Kfz-Steuer, kostenloses Parken auf öffentlichen Straßen oder Fahren auf der Busspur. Letzteres scheint eher kontraproduktiv. In der Theorie würden die E-Autos die Busspuren blockieren und nur zusätzlich den ÖPNV belasten.

Letzter Entscheidungsträger ist jedoch die Kommune selbst, denn diese legt fest, ob die Voraussetzungen dafür geschaffen sind und wenn ja, auch in Anspruch genommen werden dürfen. Für Unternehmen, die E-Modelle nutzen, plant die Regierung zudem eine Sonderabschreibung bei Dienstfahrzeugen von 50 Prozent im ersten Jahr, was erhebliche Steuervorteile mit sich bringen würde.

Fazit: Die Umweltampel schaltet auf Gelb

Die Entwicklung in den nächsten fünf bis zwanzig Jahren wird extrem spannend. Schaffen es Elektrofahrzeuge, den Straßenverkehr zu revolutionieren und die klassischen Antriebe zu ersetzen?

Zum jetzigen Zeitpunkt können Elektroautomobile für die private Nutzung bei weitem nicht mit den Platzhirschen Benzin und Diesel mithalten. Die E-Fahrzeuge sind in der Anschaffung im Vergleich zu den klassischen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren immer noch sehr kostenintensiv. Darüber hinaus ist die Lade-Infrastruktur in Deutschland noch unzureichend ausgebaut. Es müssen flächendeckend mehr Ladestationen auf den Straßen integriert werden, um die aktuell noch geringe Reichweite der Elektroautos zu kompensieren.

Aus unternehmerischer Sicht gibt es allerdings zukunftsweisende Projekte, die uns Schritt für Schritt auf die neue Elektromobilität vorbereiten sollen. E-Fahrzeuge sollen in absehbarer Zukunft als vollwertige Mitglieder im Straßenverkehr etabliert werden. Die Bemühungen der Regierung, der Modellregionen und weiteren Akteuren sind enorm groß und bilden die Basis für die Akzeptanz der neuartigen Antriebstechniken. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Elektromobilität in Deutschland entwickeln wird.

Autor: Tuan Lai
Hallo, Tuan hier. Ich studiere Onlinekommunikation in Darmstadt. Bei flinc bin ich Werkstudent im Bereich Content Marketing & Customer Support.